Anwendungsbeispiel: Situationsanalysen

Das visuelle Analysieren von konflikthaften Situationen ist eine der besonderen Stärken des SCRiBiLiTY-Materials. Dies geht am einfachsten, wenn Sie zusammen mit ihren Klient:innen Schritt für Schritt vorgehen.

Beginnen Sie mit dem Kern des Konflikts:
Lassen Sie die Situation an der „problematischsten“ Stelle nachbauen.
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Stell dich
nicht so an!

In unserem Beispiel kommt eine Mutter mit ihrem Sohn, weil sie sich häufig bei den Mathe-Hausaufgaben streiten. Das Kind bekommt dann regelmäßig Wutanfälle, die Mutter weiß sich nicht mehr zu helfen.

Suchen Sie gemeinsam mit dem Kind die Emotion oder die Stimmung, die direkt vor dem „konflikthaften“ Gefühl aufgetreten ist.
Versuchen Sie, dazugehörige Gedanken oder Vorstellungen zu finden.
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Stell dich
nicht so an!

Das bringt 
doch sowieso
nichts!

In unserem Beispiel zeigt das Kind, dass es bockig und verweigernd war. Auf Nachfrage erklärt es, dass es denkt, dass es keinen Sinn macht, Mathe zu üben, weil es die Aufgaben niemals verstehen wird.

Versetzen Sie sich in die Perspektive des Kindes: Welche Emotionen könnten noch passen, wenn Sie sich die Figur in der auslösenden Situation anschauen?
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Stell dich
nicht so an!

Das bringt 
doch sowieso
nichts!

In unserem Beispiel überlegt die Therapeutin mit dem Kind, dass es auch traurig seien könnte, wenn man sich immer wieder bemüht hat, Mathe zu verstehen, es aber einfach nicht gelingen will. Und es ist auch traurig, dass es so viel Streit gibt. 

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Stell dich
nicht so an!

Hinter der wütenden Fassade verbirgt sich also eigentlich ein trauriges, verletztes oder enttäuschtes Gefühl. Jetzt wird auch verständlicher, warum die Reaktion der Mutter so einen Ärger auslöst.

Das bringt 
doch sowieso
nichts!

Zur weiteren Arbeit:
 

  • Validieren Sie die verletzten (primären) Gefühle des Kindes. Bekräftigen Sie, dass diese Emotionen verständlich und angemessen sind.

  • Wer darf die verletzlichen Gefühle sehen?
    Wie könnten sie getröstet werden?
    Was wäre heilsam?

  • Welche Figur würde für die Eltern passen, wenn sie statt der Wut die Traurigkeit sehen könnten?



Besprechen Sie die Situationsanalyse auch mit dem Bezugssystem. Die Unterscheidung zwischen primären (verletzten) und sekundären (häufig: ärgerlichen) Emotionen hilft Familien (und auch Lehrer:innen) aus Konflikt-Kreisläufen auszusteigen.

Ein aggressives Kind muss begrenzt werden.
Ein trauriges, enttäuschtes, ängstliches oder frustriertes Kind benötigt hingegen Trost und Unterstützung.

 

Unterstützen Sie das Kind und sein Umfeld, die verletzlichen Seiten zu sehen und auf diese zu reagieren.

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